Jahresbericht

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Vorwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wir freuen uns Ihnen unseren aktuellen Jahresbericht 2018 präsentieren zu können.

Das herausragende Ereignis in diesem Jahr war das 25-jährige Jubiläum der Kasseler Hilfe, welches am 27. November 2018 mit ca. 100 Gästen aus Politik, Justiz und Sozialem im Foyer des Amtsgerichts Kassel gefeiert wurde.
Besonders erwähnenswert ist uns an dieser Stelle das seit 25 Jahren ehrenamtliche und leidenschaftliche Engagement von Oberstaatsanwältin Andrea Boesken in allen Belangen der Geschäftsführung sowie für uns Mitarbeiterinnen. Ein herzliches Dankeschön dafür!

Neben der Tätigkeit in der Beratungsstelle „Kasseler Hilfe“ in der Wilhelmshöher Allee sind wir Mitarbeiterinnen täglich im Zeugenzimmer bei Gericht und an zwei Tagen im KAIP-Büro, Polizeipräsidium anwesend. Die unterschiedlichen Themen und Aufgaben, die uns dabei begegnen, erfordern viel Flexibilität und Berufserfahrung, machen jedoch die Tätigkeit vielfältig und dadurch immer wieder spannend.
Dank des großen Engagements des Vorstandes, die dafür notwendigen finanziellen Mittel stets wieder zu beschaffen, sind die Mitarbeiterinnen in der Lage sich ganz den Belangen der Opfer und Zeugen zu widmen.

Wir möchten an dieser Stelle den Justizorganen danken, die auch in diesem Jahr den Verein mit Bußgeldzuweisungen unterstützt haben. Ein Dankeschön für eine Spende geht ebenfalls an den AWO Kreisverband Kassel-Stadt, sowie an einen privaten Spender.

Auf weitere gute Zusammenarbeit

Ihre Kasseler Hilfe


Der Verein Opfer- und Zeugenhilfe Kassel

Der Verein hat 26 Mitglieder: Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Kassel Stadt 2003 e.V., Caritasverband Kassel e.V., Deutscher Kinderschutzbund Ortsverband Kassel e.V., Franka e.V., Gemeinde Helsa, Gemeinde Lohfelden, Land Hessen, Stadt Kassel, Landkreis Kassel, pro familia e.V., Soziale Hilfe e.V. sowie 15 Einzelpersonen.
Seit Gründung 1993 wird der Großteil der Finanzierung durch Zuweisungen des Hessischen Ministeriums der Justiz getragen.
Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt und Mitglied im Arbeitskreis der Opferhilfen Deutschlands (ado) und dem Wohlfahrtsverband Der Paritätische, Hessen. Die Zuständigkeit erstreckt sich über den gesamten Gerichtsbezirk Kassel.

Als Vorstand sind für den Verein ehrenamtlich tätig:

Frau Andrea Boesken,     Oberstaatsanwältin, Staatsanwaltschaft Kassel

Herr Wolf Winter,             Präsident des Amtsgerichts Kassel

Herr Detlef Schulze,         Dipl. Soz.-Pädagoge, Psychotherapeut,
                                             Heilpraktiker für Psychotherapie


Das Team

Frau Alexandra Duwe,    Verwaltungsangestellte,
                                           20 Wochenstunden

Frau Silke Emde,              Diplomsozialpädagogin,
                                           33 Wochenstunden, Beratung und Zeugenzimmer

Frau Annette Müller,      Diplomsozialpädagogin,
                                           28 Wochenstunden, Beratung und Zeugenzimmer

Frau Ute Ochs,                Diplompädagogin,
                                           25 Wochenstunden, Beratung, KAIP und Zeugenzimmer


Adresse und Erreichbarkeit

Beratungsstelle

Wilhelmshöher Allee 101            Montag bis Freitag    08:30 bis 12:30 Uhr   
34121 Kassel                                                                        13:30 bis 17:00 Uhr
Tel.: 0561 / 28 20 70                      sowie nach Vereinbarung


Zeugenzimmer im Gericht - Eingangshalle, 1 Stock links, Raum A102

Justizbehörden                             Montag bis Freitag     08:30 bis 12:00 Uhr
Frankfurter Straße 9                    und nach Verarbeitung
34117 Kassel
Tel.: 0561 / 912-2271
                                   



www.kasseler-hilfe.de
info@kasseler-hilfe.de


kostenlos - vertraulich - auf Wunsch anonym


Die Beratung

Unser Angebot richtet sich an alle Menschen, die Opfer oder Zeuge einer Straftat geworden sind, sowie an deren Angehörige oder andere Vertrauenspersonen, wie z.B. die Mitarbeiter sozialer Einrichtungen, Lehrer, Erzieher, Jugendarbeiter.
Hilfe finden alle, unabhängig von der Deliktart und ob Anzeige erstattet wurde.
Die Beratungsstelle bietet einen geschützten Raum und mit der Beraterin ein geschultes und emphatisches Gegenüber. Die eigene Situation und das Leben nach der Tat werden reflektiert mit dem Ziel, selbst wieder handlungsfähig zu werden.

Der individuelle Bedarf bestimmt das Unterstützungsangebot.

Gespräche über die durch die Tat entstandenen Probleme und typischen Ängste sind genauso möglich, wie die praktische Unterstützung beim Ausfüllen von Anträgen, wie z.B. den nach dem OEG (Opferentschädigungsgesetz), der Begleitung zu Terminen bei Rechtsanwälten, zur Polizei oder Ärzten.

Zu hören, dass die verstörenden Empfindungen, die sich nach dem (Üb)erleben einer Gewalterfahrung einstellen können, normale Reaktionen sind, wirkt entlastend. Manchmal reicht dies nicht aus. So ermutigen wir die Betroffenen, psychotherapeutische Hilfe bei Psychologen und Ärzten oder in Fachkliniken zu suchen.

Wichtig ist auch die Aufklärung über den Ablauf des Strafverfahrens von der Anzeige bis zur Hauptverhandlung. Die Information über die Rechte von Opferzeugen, z.B. dem Nebenklagerecht sowie über die eigene Rolle und Pflichten als Zeuge/Zeugin im Verfahren ist ein wesentliches Element, um dem Gefühl der Hilflosigkeit angesichts der Justizabläufe und damit einer Verstärkung der Traumatisierung entgegen zu wirken.


Die Zeugenbegleitung

Die Vorbereitung der Hauptverhandlung bei Gericht, die Begleitung und Unterstützung am Verhandlungstag und die Nachbereitung der Gerichtsverhandlung sind ein fester Bestandteil unserer Tätigkeit.

Auch hier steht die Aufklärung an erster Stelle: Wie läuft eine Verhandlung ab, wer begegnet mir dort, welche Aufgaben haben die verschiedenen Personen im Sitzungs-saal, muss ich dem Täter begegnen? Hier führen wir die Betroffenen Stück für Stück an die Situation im Gericht heran. Wir warten gemeinsam auf den Aufruf zur Zeugenaussage am Verhandlungstag und haben ein Augenmerk darauf, die (verletzten) Zeugen in einem halbwegs stabilen, psychischen Zustand zu halten.

Diese Begleitung und die Nutzung des Zeugenzimmers geben das Gefühl der Sicherheit und Stabilität, um sich der erneuten Schilderung der erlittenen Tat, der Befragung und der Konfrontation mit dem Täter zu stellen. Durch Information und Begleitung stärken wir das Selbstvertrauen der Betroffenen. Dies führt oft zu einem wichtigen Wachstumsimpuls und erleichtert somit die Verarbeitung des Erlebten.


Das Zeugenzimmer

Seit 1999 ist das Angebot des Zeugenzimmers im Amtsgericht Kassel ein fester Bestandteil der Kasseler Hilfe. Täglich von 8:30 Uhr bis 12:00 Uhr von einer Mitarbeiterin besetzt, bietet es einen Ort, der zugleich nahe am Geschehen und doch geschützt ist.

Im 1.Stock vor dem Flur der Gerichtssäle des Amts- und Landgerichtes gelegen, hat man einen guten Überblick über den Eingangsbereich. Das ist wichtig, weil man so das Kommen und Gehen einsehen kann, gerade wenn man Begegnungen mit dem Angeklagten auf dem Gerichtsflur vermeiden will. In dem großzügig geschnittenen Zimmer kann in ruhiger Atmosphäre die oft lange Wartezeit verbracht werden. Denn nicht immer ist der Termin, zu dem Zeugen geladen werden, einzuhalten. Der Ablauf der Verhandlung wird durch verschiedene Faktoren bedingt. So kann es z.B. durch das Antragsrecht zu zeitlichen Verzögerungen kommen. Für den Zeugen heißt es dann, geduldig auf seinen Aufruf zu warten.

Die Begleitung im Zeugenzimmer wird von vielen als Entlastung erlebt. Denn die Mitarbeiterin versteht sich als Lotse in einer unbekannten Situation. Sie informiert das Gericht über die Zeugenbegleitung, so dass der Zeuge direkt im Zeugenzimmer benachrichtigt wird, wenn seine Aussage erforderlich wird. Letzte Fragen über den Ablauf einer Verhandlung werden geklärt, es ist genug Zeit, sich zu sammeln und innerlich auf die Befragung einzustellen. Auf Wunsch werden Zeugen auch in den Saal begleitet. Hinterher kann sich eine Reflexion der Erfahrungen, die im Zeugenstand gemacht wurden, anschließen.

Die Zeugenzimmerdienste können spontan in Anspruch genommen werden oder aber es findet ein erster Kontakt und eine Vorbereitung über die Beratungsstelle in der Wilhelmshöher Allee statt.
Jeder Ladung einer Strafkammer liegt eine Einladung zur Nutzung des Zeugenzimmers bei und es liegen Flyer in den Wartebereichen.


KAIP- Kasseler Intervention bei häuslicher Gewalt

Häusliche Gewalt ist ein großes, gesellschaftliches Problem. Frauen, Kinder und Männer leiden sehr unter den Folgen dieser Gewalt, die dort stattfindet, wo wir uns sicher und geborgen fühlen sollten: zu Hause. Es gibt eine große Dunkelziffer, denn die Polizei wird meist erst dann benachrichtigt, wenn Menschen sich selbst  nicht mehr zu helfen wissen. Frauenhilfevereine, Familienberatungsstellen, die Jugendämter und Familiengerichte wissen schon lange um diese Nöte.

Mit dem Gewaltschutzgesetz von 2001 wurden Normen geschaffen, die es der Polizei ermöglichen, für die Betroffenen weitreichende Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen: Platzverweis, Wegweisung, Betretungs-, Annäherungs- und Kontaktverbot können sofort während des Einsatzes ausgesprochen werden. Diese Maßnahmen haben eine Befristung von längstens 14 Tagen. Alles Weitere entscheiden die Familiengerichte, wenn von den Betroffenen selbst ein Antrag gestellt wird. Und hier liegt ein weiteres Problem, denn in der Aufregung des Polizeieinsatzes gehen die wichtigen Informationen, die die Beamten vor Ort weitergeben, oft unter. KAIP hat sich zum Ziel gesetzt möglichst zeitnah einen Kontakt zu den Betroffenen herzustellen, um in der gegebenen Frist, rasch greifende Hilfe und Beratung zu vermitteln.
Durch die Initiative und Kooperation verschiedener Partner des Aktionsbündnisses gegen häusliche Gewalt Nord- und Osthessen, das unter dem Schirm der Nordhessischen Regierungspräsidenten seit 2001 in Kassel jährlich zum interdisziplinären Austausch zusammenfindet, wurde 2007 das KAIP-Büro im Polizei-präsidium Nordhessen eingerichtet.
Die Kasseler Hilfe, Frauen informieren Frauen (FiF) Kassel, Frauen helfen Frauen im Landkreis Kassel (FhF) sowie das Diakonische Werk Kassel (DWK) und die Behörden Polizeipräsidium Nordhessen, Staatsanwaltschaft Kassel, der Magistrat der Stadt Kassel und der Kreisausschuss des Landkreises Kassel leisten damit einen deutlichen Beitrag zur Prävention.

In der Praxis stellt sich KAIP wie folgt dar:
Das Interventionsprogramm ist bei der Polizeidirektion Kassel angesiedelt und steht in deren Verantwortungsbereich. Ein Ansprechpartner wurde für die laufenden Belange der Interventionsstelle benannt. Bei dem Polizeirevier Mitte steht ein Büroraum nebst kompletter Ausstattung zur Verfügung. Dort sind von Montag bis Freitag jeweils von 9.00 bis 11.00 Uhr Mitarbeiterinnen der sozialen Einrichtungen für KAIP tätig. Nach Sichtung der von den Polizeirevieren der Stadt und des Landkreises Kassel zugewiesenen Fälle häuslicher Gewalt nehmen die Sozialpädagoginnen Kontakt zu den Betroffenen auf. Da in den meisten Fällen eine Wegweisung gegenüber den Gewalttätern ausgesprochen wurde, bietet sich ein Zeitfenster von 14 Tagen, in dem die Betroffenen wichtige Schritte für die eigene Sicherheit einleiten können. Die Mitarbeiter klären über diese Möglichkeiten auf und informieren über weiterführende Hilfsangebote. Das KAIP-Büro wird an zwei Wochentagen von der Kasseler Hilfe besetzt. FiF Kassel e.V. und FhF im Landkreis Kassel e.V. sind jeweils einen Vormittag vor Ort. Die Familienberatung des Diakonischen Werkes Kassel übernimmt mit einem Mitarbeiter die Kontaktaufnahme zum Täter, denn seit 2012 gibt es für diese ein Therapieangebot in Kooperation von Pro Familia Kassel e.V. und dem DWK. Ihnen wird damit ein Hilfsangebot gemacht, um den Kreislauf der Gewalt selbstverantwortlich zu durchbrechen.

Die Staatsanwaltschaft Kassel steht KAIP als Ansprechpartner in aktuellen Rechtsfragen zur Verfügung. Die Frauenbeauftragte der Stadt Kassel bewirkt die Vernetzung und Vermittlung mit der Kommune und dem Hilfesystem. Der Kreisausschuss des Landkreises Kassel unterstützt das Vorhaben auf Landkreisebene.


Die psychischen Auswirkungen von Gewalt

Menschen machen in ihren Leben unterschiedlichste belastende Erfahrungen: Es kann ein Unfall sein, eine Naturkatastrophe, Kriegserlebnisse oder eine Straftat. Die Konfrontation mit Gewalt oder Übergriffen in privaten Räumen, z.B. der eigenen Wohnung oder aber auch dem Computer, kann dazu gehören. In der Regel stehen uns eigene Verarbeitungsstrategien zur Verfügung, um mit diesen Erlebnissen umzugehen. Vielen gelingt es durch die Unterstützung von Freunden und Angehörigen diese Erlebnisse zu verarbeiten.
Die Auswirkungen einer Straftat können für die Betroffenen sehr unterschiedlich sein. Am offensichtlichsten sind die materiellen oder körperlichen Schäden. Manches lässt sich über Versicherungen regulieren. So ist ein Türschloss schnell ausgetauscht, eine Verletzung heilt, auch wenn vielleicht Schmerzen bleiben.
Was immer bleibt, ist der innerliche Nachhall des erfahrenen Unrechts, eine verstörende Verunsicherung.

Ist eine Situation allerdings mit dem überwältigenden Gefühl der Ohnmacht oder gar Lebensbedrohung verbunden, wirkt sie traumatisch. Sie trifft Menschen unvorbereitet und unvorhersehbar, einmalig oder über viele Jahre hinweg immer wieder. Man ist selbst betroffen, oder indirekt als Zeuge, als Helfer vor Ort oder Angehöriger. Eine solche unmittelbare Gewalterfahrung erschüttert das Vertrauen in die eigene Sicherheit und Kontrolle, führt an die Grenzen der Belastbarkeit und eigenen Ressourcen. Man zweifelt an der Gesellschaft, dem Staat und seinen Instanzen sowie an religiösen Glaubensbildern. Es können sich andauernde Beeinträchtigungen im seelischen und oft auch im körperlichen Bereich entwickeln, die erst Wochen oder Monate nach dem traumatischen Ereignis auftreten.

Die psychische Verarbeitung eines Traumas verläuft in verschiedenen Phasen:

In der ersten Zeit nach der Tat (Schock- oder Wirkungsphase) erlebt der Mensch den Kontrollverlust noch als starken inneren Erregungszustand, einer erhöhter Schreckhaftigkeit, Unruhe oder Zittern. Nicht immer ist dieser Zustand auch äußerlich anzumerken. Manche Menschen wirken nach außen ruhig und gelassen aber auch erstarrt. Dies ist meist ein Zeichen der Verwirrung, die mühsam unterdrückt wird. Andere können sich tagelang nicht beruhigen, schlafen und essen nicht oder können nicht allein sein.

In der zweiten Phase fühlt der Betroffene Furcht, Traurigkeit oder Zorn. Gleichzeitig ist er bemüht die Kontrolle über sein Leben wieder zu erlangen und sich den alltäglichen Anforderungen auszusetzen. Damit wird versucht, die emotionale Erschütterung zu leugnen und abzuspalten. Das Erleben der Ohnmacht, Hilflosigkeit, die Nähe zu Tod und Verletzung wird verdrängt (Rückzugsphase).

In der dritten Phase können sich die verleugneten seelischen Erschütterungen in fest umschriebene Symptome, wie Schuldgefühle oder Depression, wandeln (Symptomphase). Durch eine  therapeutisch oder seelsorgerisch begleitete Bearbeitung der persönlichen Dimension des Erlebten kann eine psychische Integration in die eigene Lebensgeschichte möglich und vielleicht sogar Sinnhaftes gefunden werden (Reorganisationsphase).

Nach epidemiologischen Studien sind zwar körperliche Gewalt und Gewalt-androhungen, schwere Unfälle oder Zeuge solcher Situationen zu sein die häufigsten Traumata. Jedoch führen sie nicht bei allen Menschen unbedingt zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Die schwersten Folgeschäden bilden sich nach Vergewaltigung (enge Definition ohne sexuelle Belästigung), Kriegsteilnahme (nicht nach Soldat und Zivilist unterschieden), Misshandlungen, familiäre Gewalt und sexueller Missbrauch in der Kindheit.
Die Symptome der psychischen Verletzung lassen sich in drei Gruppen einteilen:

Erinnerungssymptome: Das Erlebte taucht in Erinnerungsattacken auf. In plötzlichen Flashbacks wird die Situation emotional wieder erlebt mit allen dazu gehörenden körperlichen Erscheinungen wie Zittern, Herzrasen, Angstschweiß. Auslöser sind oft Außenreize wie ein Geruch, Töne, eine Stimme, eine Gestalt.

Vermeidungssymptome: Hierbei versucht sich der Betroffene vor den belastenden Erinnerungen zu schützen. Bewusst und unbewusst wird versucht, Menschen und Situationen zu umgehen, die mit dem Geschehen in Verbindung gebracht werden. Dies führt zu einem sozialen Rückzug, das Interesse und die Teilnahme am Leben verringert sich. Die Gefühlswelt, die Affekte sind eingeschränkt. Depressive Stimmungsbilder und eine latente Hoffnungslosigkeit ohne Zukunftsperspektive treten auf.

Übererregungssymptome: Diese zeigen sich in Form von erhöhter Schreckhaftigkeit, Nervosität, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen und Angstzuständen, hoher Reizbarkeit bis hin zu Aggressivität.

Dazu kommen Gefühle von Scham, Schuld, Wut, Demütigung, Hilflosigkeit, Einsamkeit. Es kann zu Missbrauch von Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen kommen. Das soziale Umfeld und die Angehörigen fühlen sich in dieser Situation häufig überfordert und reagieren manchmal mit Verharmlosung, Abkehr, Unverständnis oder gar Schuldzuweisungen. Die sogenannte Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine typische Reaktion der Psyche, die oft nur mit professioneller Hilfe ausreichend behandelt werden kann. Hierfür gibt es Möglichkeiten der ambulanten oder stationären Traumatherapie bei Psychologen, Ärzten oder in Kliniken. Bei Bedarf und auf Wunsch unterstützen die Mitarbeiterinnen der Kasseler Hilfe traumatisierte Opfer dabei, einen geeigneten ambulanten Therapieplatz oder eine Klinik zu finden.


Kooperation

Vernetzung und interdisziplinäre Kooperation sind für unsere Arbeit wichtig. So nehmen wir seit vielen Jahren an unterschiedlichen regionalen und überregionalen Arbeitskreisen teil. Wir schätzen den fachlichen Austausch sehr, denn er erweitert den Blick.

Die Kasseler Hilfe ist Mitglied im Arbeitskreis der Opferhilfen Deutschland (ado), einem Zusammenschluss der professionellen Opferhilfen. Die jährliche Fachtagung und Mitgliederversammlung fand 2018 in Potsdam statt.

Weiter gibt es einmal jährliche Vernetzungstreffen mit dem „Aktionsbündnis gegen häusliche Gewalt Nord- und Osthessen“ unter der Schirmherrschaft des Regierungs-präsidiums Kassel, sowie dem „KAIP Kooperationskreis“ im Rathaus Kassel. Zudem finden unregelmäßig KAIP-interne Besprechungen der vor Ort Tätigen statt, um die gemeinsamen Arbeitsabläufe des KAIP-Büros zu optimieren.

Vierteljährlich treffen sich Mitarbeiterinnen aller Hessischen Hilfen abwechselnd in Gießen, Hanau, Frankfurt, Wiesbaden, Fulda, Limburg/Weilburg, Darmstadt und Kassel. Ebenso verfahren die Vorstände der hessischen Opferberatungsstellen. Außerdem trifft sich der „Förderverein für die hessischen Opfer- und Zeugenhilfen Hanau“.

Weiter gibt es regelmäßige Kontakte mit dem Kasseler Zentrum für Psychotrauma-tologie und einen monatlichen Arbeitskreis gegen sexuellen Missbrauch „GESA“.

Das Frauenbüro der Stadt Kassel initiiert seit 2013 ein unregelmäßiges Treffen zum Thema „Verfahrensunabhängige Spurensicherung für Kassel“. Auch hier nimmt die Kasseler Hilfe teil, organisiert im gegebenen Fall den Transport der gesicherten Proben in die Gerichtsmedizin Gießen (www.hilfe-nach-vergewaltigung-region-kassel.de).

Leider lässt es unsere Zeit nicht zu noch mehr Arbeitsgruppen zu besuchen. Aber wir erhalten als „stille Teilnehmer“ Kenntnis der Ergebnisse vom Koordinierungsgremium „Sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen“ im Werra-Meißner-Kreis, dem „Runden Tisch gegen häusliche Gewalt“ in Korbach und dem „Runden Tisch gegen häusliche Gewalt“, Region Kassel.


Öffentlichkeitsarbeit

Die Darstellung und Bekanntmachung der Kasseler Hilfe ist ein weiteres Aufgabenfeld.
Regelmäßig werden wir angefragt von Studierenden und Referenten der Universität Kassel und der Hochschule für Polizei und Verwaltung. So informieren wir im Fachbereich Soziale Arbeit über das Tätigkeitsfeld der Opferhilfe und erörtern mit angehenden Verwaltungsfachangestellten das Thema Häusliche Gewalt: Denn gerade für ihre Tätigkeit in öffentlichen Bereichen der kommunalen Verwaltung, z.B. den Bürgerbüros, sollen die Auszubildenden für den Umgang mit Betroffenen sensibilisiert werden.

Beim diesjährigen Hessentag in Korbach stellten eine Mitarbeiterin und ein Vorstandsmitglied die Aufgaben der Opfer- und Zeugenhilfe einem interessierten Publikum vor, ebenso beim Präventionstag im Rathaus Kassel mit dem Thema: „Das sichere Zuhause – Gewaltprävention in Kassel“.

Eine Veranstaltung vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration zum Thema „Umsetzung des Landesaktionsplans zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt in Institutionen“ bot die Gelegenheit einem Fachpublikum die Arbeit der Opferhilfen zu verdeutlichen.


Weiterbildung

Im Jahr 2018 nahmen die Mitarbeiterinnen an folgenden Weiterbildungs-veranstaltungen teil:

•    „Sexualität und Macht in pädagogischen Beziehungen“
      Wissenschaft und Praxis im Dialog, Uni Kassel

•    „Häusliche Gewalt und Stalking“, Hessisches Ministerium der Justiz

•    „Umsetzung Istanbuler Konvention“, Frauenbüro Kassel

•    „Prävention und Opferschutz“, SPD-Fraktion

Außerdem lädt die Drogenhilfe Nordhessen auch zu verschiedenen Veranstaltungen ein, an denen wir themenbezogen immer wieder gerne teilnehmen.


25-jähriges Jubiläum

Im Winter 2018 feierte die Kasseler Hilfe ihr 25- jähriges Bestehen. Aufgrund dieses besonderen Ereignisses luden der Vorstand und die Mitarbeiterinnen zum gemeinsamen Jubiläumsfest in die Räumlichkeiten des Kasseler Amtsgerichts am
27. November 2018 ein.

Durch die Eröffnungsrede von Andrea Boesken (Oberstaatsanwältin und Vorstand der Kasseler Hilfe) bekamen alle Anwesenden noch einmal einen tieferen Einblick in die psychosozialen und erforderlichen Tätigkeiten der Kasseler Hilfe, die sich innerhalb der 25 Jahre für eine Betreuung von Opfern jeglicher Straftaten eingesetzt hat, somit auch an Erfahrungen gewachsen ist, und im heutigen Kontext nicht mehr wegzudenken wäre.
Des Weiteren haben Karl Greven (Ministerialdirigent und Abteilungsleitung des hessischen Justizministeriums), Christian Geselle (Oberbürgermeister der Stadt Kassel), sowie Konrad Stelzenbach (Polizeipräsident Nordhessen) ein informierendes Begrüßungsprogramm eingeleitet.
Das besondere Highlight unserer Jubiläumsfeier war eine Podiumsdiskussion zu dem Thema: „Das neue Sexualstrafrecht aus verschiedenen Blickwinkeln“.
Unter der Moderation von Dr. Christoph Gebhardt zeigten Dr. Carsten Paul (Richter am Bundesgerichtshof), Prof. Dr. Arnfried Bintig (Dipl. Psychologe), Antje Brandes (Rechtsanwältin und Fachanwältin für Strafrecht), sowie von Karin Wagner (Dipl. Pädagogin im Trauma- und Opferzentrum Frankfurt) verschiedene Aspekte des neuen Sexualstrafrechtes auf.
Alle Podiumsteilnehmenden konnten mit ihrem Fachwissen wertvolle Informationen an das Publikum weiterleiten.
An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal recht herzlich bei allen Teilnehmenden für ihr Engagement bedanken.

Im Anschluss an das Programm fand ein geselliges Beisammensein mit kleinem Imbiss und musikalischer Begleitung statt, indem Raum für anknüpfende Gespräche geschaffen wurde.

Rückblickend können der Vorstand, sowie Mitarbeiterinnen und Mitglieder/innen auf eine eindrucksvolle, gemeinsame Zeit voller bewegender Erinnerungen im Bereich des Opferschutzes zurückschauen.



Statistische Daten

Im Jahr 2018 nahmen 418 Personen in 287 Fällen das Angebot einer Beratung oder Begleitung durch die Kasseler Hilfe in Anspruch. Es gab sowohl einmalige Gespräche als auch regelmäßige Besuche. Insgesamt 160 Zeugen wurden von uns im Zeugenzimmer betreut, davon wurden 96 Personen während der Zeugenvernehmung in den Zeugenstand begleitet.



Die Kontakte stellten sich wie folgt dar:

 

Die Ratsuchenden waren:

 

Der Gerichtsbezirk des Landgerichts Kassel umfasst die Stadt Kassel und die Landkreise Kassel, Schwalm-Eder, Werra-Meißner sowie Teile des Landkreises Waldeck-Frankenberg. Im Landgerichtsbezirk sind die Amtsgerichte Eschwege, Fritzlar, Kassel, Korbach und Melsungen angesiedelt.

 

Die Wohnorte wurden angegeben mit:

 

 

Die Altersstruktur verteilt sich wie folgt:

 

 

So unterschiedlich die Gründe für eine Beratung sind, so breit gefächert kann auch der Verlauf der Gespräche und die Ergebnisse sein.

 

Es waren folgende Deliktarten vertreten:

 


Presseberichte